Der Erste Weltkrieg im Scheldeland

Wer an den Ersten Weltkrieg denkt, denkt sicherlich sofort an die Yser, aber auch im Scheldeland wurde verbissen gekämpft. Mehr noch: Die Kämpfe in der Westhoek hätten ohne die Verzögerungsgefechte an Schelde und Dender möglicherweise nie stattgefunden. So konnte König Albert I. den Großteil seiner Truppen sicher aus Antwerpen führen.

Anfang Oktober 1914 verlagerte sich das Kriegsgeschehen aus dem Scheldeland, aber nicht, ohne das Gebiet für immer zu verändern. Auch die darauf folgende vierjährige Besatzungszeit hinterließ ihre Spuren, die nicht immer sichtbar, aber doch vorhanden sind.

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‚100 Jahre Erster Weltkrieg im Scheldeland‘ ist um 3 Themen herum aufgebaut, die sich mit den Kämpfen befassen, die hier stattgefunden haben

1. Die Forts im Scheldeland

Die Forts von Liezele, Bornem und Breendonk waren Bestandteil der Festung von Antwerpen, einem militärischen Verteidigungsgürtel, der aus zwei Ringen von Forts bestand. Die Forts waren zum Schutz der Stadt errichtet worden. Antwerpen war nämlich, wie auch Lüttich und Namur, ein Nationaal Reduit oder Zufluchtsort für den Kriegsfall.

Zunächst ließen die Deutschen Antwerpen links liegen, doch Ende September 1914 bliesen sie doch zum Angriff. Die belgische Armee zog sich über die Schelde in Richtung Antwerpen zurück. Das Fort von Liezele und die Schanze von Puurs erhielten so die wichtige Aufgabe, den Abzug zu decken. Um ein freies Schussfeld auf die deutschen Truppen zu haben, wurde Liezele von den belgischen Fortsoldaten vollständig niedergebrannt.

Das Fort von Liezele ist heute das am besten erhaltene Fort der Festung von Antwerpen. Das Fort kann von Einzelpersonen und Gruppen, mit oder ohne Fremdenführer besucht werden. Ab April sind dort auch Audioführungen möglich.

2. Die Kämpfe an den Ufern von Schelde und Dender

Bei ihrem Durchmarsch durch das Scheldeland hinterließen die deutschen Truppen eine Spur der Verwüstung. Aufgrund der strategischen Lage von Dendermonde, mit einer wichtigen Brücke über die Schelde, die Zugang zum linken Ufer verschaffte, wurde die Stadt besonders hart umkämpft.

Im September 1914 brannten die deutschen Truppen das gesamte Zentrum gänzlich nieder. 1.252 Häuser gingen in Flammen auf. Zivilisten wurden als lebende Schilde missbraucht, gefoltert und erschossen. So wurde Dendermonde zu einer der sieben ‚Märtyrerstädte‘.

Was in Dendermonde nicht gelang, ereignete sich schließlich in Schoonaarde, acht Kilometer stromaufwärts an der Schelde. Auch gab es heftige Kämpfe, um die Schelde zu überqueren, was am 8. Oktober 1914 auch geschah. 68 belgische Soldaten verloren hier ihr Leben. Auch der Buggenhoutbos wurde Zeuge erbitterter Gefechte. In dieser ‚vergessenen‘ Schlacht verloren 40 belgische Soldaten ihr Leben.

3. Das Leben im besetzten Gebiet

Nach dem Einmarsch der deutschen Armee 1914 wurde Belgien in drei Teile aufgeteilt, mit undeutlichen, aber schwer bewachten Grenzen. Das Scheldeland wurde dem Etappengebiet zugeordnet, in dem ein strenges Militärregime herrschte. Das Leben dort wurde sündhaft teuer und der Schmuggel blühte.

Die deutschen Besatzer forderten so ziemlich alles ein, was von Nutzen sein könnte. Nicht nur Waren, im Laufe der Zeit auch Menschen. In Aalst kamen örtliche Gemeindeverwalter auf die Idee, ihre Arbeitslosen vor einer möglichen Einziehung zu bewahren, indem sie ihnen bei einem Projekt zur Anlage eines 19 Hektar großen Stadtparks einen Arbeitsplatz gaben. Dieser Park ist auch heute noch ein schöner Ort mit einer prächtigen Geschichte.

Und dann waren da noch die Obdachlosen und die Flüchtlinge. 4 Jahre lang musste die Bevölkerung des Scheldelandes unter schwierigsten Bedingungen versuchen, zu überleben, häufig ohne ein festes Dach über dem Kopf. Man lebte in Ställen, Wintergärten und Notunterkünften. Auch diese Spuren sind heute verschwunden, doch die Geschichten sind noch lebendig.